![[PDF] Psychiatrie im Faschismus. Die Anstalt Hadamar 1933 - 1945 KOSTENLOS DOWNLOAD](https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51qPXaaWgTL._SS500_.jpg)
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Vorwort zur 2. Auflage Wenn wir auf die vergangenen 10 Jahre seit der Erstauflage des Buches zurückblicken; so ist festzustellen; daß sich rassistisches und faschistisches Denken und Handeln in ungeahnter Weise organisiert und ausgebreitet haben. Die inzwischen alltágliche Gewalt gegen Minderheiten; insbesondere gegen auslándische und behinderte Mánner; Frauen und Kinder; die Brandanschláge auf Synagogen; die Schándungen von KZ-Gedenkstátten zeigen; wie stark in unserem Gesellschaftssystem Strukturen und Interessen lebendig geblieben sind; die Intoleranz und Inhumanitát hervorbringen und heute wieder zur Tötung und Ermordung von Menschen führen. Die Schandtaten in Solingen; Lübeck; Sachsenhausen etc. und die gleichgültigen; sympathisierenden; ja sogar rechtfertigenden Reaktionen in Teilen der Bevölkerung; der Polizei; Justiz und Politik sind ein Ausdruck dafür; wie wenig die Prinzipien der Toleranz; Solidaritát und Aufklárung in unserer Gesellschaft heute gelten. Solche spektakuláren Geschehnisse überschatten leicht; daß - beschleunigt durch die ökonomische Krise - sozialdarwinistisches Denken und Handeln schon wieder konsensfáhig zu werden droht. Unter dem historisch bekannten; durch die Lebensunwertdebatte der achtzigerjahre erneut propagierten Motto; daß bei knappen Ressourcen die sogenannten Leistungsschwachen hinter die Interessen des vergeblich gesellschaftlichen Ganzen zurückzutreten haben; wird die Ausgrenzung von immer mehr Menschen aus den sozialen und gesundheitlichen Sicherungssystemen vorangetrieben. So wird die Unterstützung für Arbeitslose und Arme reduziert; gefordert; Kranken den Lohn zu kürzen; vorgeschlagen; alten Menschen keinen Anspruch mehr auf Heilbehandlung; sondern nur noch auf Betreuung zu gewáhren. Menschen werden gezwungen; elementarste Grundrechte zum Vorteil anderer abzutreten; z.B. werden Zwangssterilisationen von Behinderten wieder legalisiert Gesetzentwürfe formuliert; um Menschenversuche an geistig Behinderten und psychisch Kranken abzusichern; Alte und Kranke genötigt; ihre Organe herzugeben. Existenz und Würde des Einzelnen und das Zusammenleben der Menschen sind heute in einem Maße gefáhrdet; wie wir es uns 1986 nicht vorstellen konnten. Die leidvolle Geschichte der Psychiatrie von 1933 bis 1945 ist deshalb heute aktueller denn je. Dorothee Roer; Dieter Henkel Frankfurt am Main; im Juli 1996
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